Studie
Ist Onlineshopping weniger klimaschädlich als mit dem Auto einzukaufen?

04.06.2018 Eine Studie im Auftrag von Otto ergab, dass trotz der zahlreichen Retouren Onlineshopping insgesamt weniger klimaschädlich sein soll, was die Transportbilanz angeht – Umweltschützer haben Zweifel daran.

© Foto: Berndt+Partner

Unternehmen und Umweltschützer sind uneins darüber, welche Art des Einkaufens besser für die Natur ist. Eine Studie im Auftrag von Otto ergab, dass Onlineshopping trotz Retouren insgesamt weniger klimaschädlich sei, als mit dem Auto einzukaufen – jedenfalls was die Transportbilanz angeht.

Greenpeace meint dagegen, man könne nicht pauschal bewerten, ob der Online-handel umweltfreundlicher ist. Es mache etwa einen deutlichen Unterschied aus, ob der Einkauf sonst mit Fahrrad oder Auto erledigt würde. „Wenn ich womöglich nur für eine einzelne Besorgung mit dem eigenen Auto in die Stadt fahre, wäre es besser, online zu bestellen“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan.

Welcher Aufwand betrieben wird, um die zahlreichen Retouren abzufertigen, kann zum Beispiel in Hamburg beobachtet werden. Im Sekundentakt rauschen Pakete über lange Fließbänder im Rücksendezentrum von Hermes Fulfilment in Hamburg. Oft haben Kunden gleich mehrere Artikel in dem Wissen bestellt, nicht alle zu behalten. Denn die Retouren sind fast immer kostenlos, für die Versandhändler gehört dies zum Service. Abgewickelt werden die Pakete dann häufig von Dienstleistern wie Hermes Fulfilment.

Das Rücksendezentrum im Hamburger Stadtteil Bramfeld gehört zu den größten Europas, erklärt der Teamleiter der Warenvorbereitung, Andreas Kalliner. Die Otto-Tochter übernimmt unter anderem alle Rücksendungen für den gleichnamigen Versandhändler. Bis zu 50 Millionen Artikel würden hier jährlich abgewickelt, täglich könnten es bis zu 200.000 sein. Vor allem bei Kleidung, die laut Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel (BEVH) größte Warengruppe des Onlinehandels, ist die Quote besonders hoch. Vier von zehn gekauften Kleidungsstücken werden nach Angaben der Hermes Fulfilment zurückgeschickt.


"Der Umwelt zuliebe"

Um die Zahl der Retouren zu senken, hat Otto vor einiger Zeit verschiedene Maßnahmen eingeführt. So werde der Kunde etwa mit einem Hinweis „der Umwelt zuliebe“ auf unnötige Rücksendungen aufmerksam gemacht, sobald er das gleiche Kleidungsstück in drei oder mehr Größen in den Warenkorb lege. „Wir können zwar noch keine konkreten Zahlen nennen, aber können bereits sagen, dass wir die Retourenquote signifikant senken konnten“, sagt Otto-Sprecher Frank Surholt. Zusätzlich setze der Konzern auf möglichst detaillierte Angaben zu den Produkten sowie Kundenbewertungen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz verschlagwortet werden und so helfen sollen, bereits am Bildschirm die passende Größe zu finden.

Der Konzern spart durch solche Maßnahmen neben unnötigen Kilometern auch bares Geld: Jeder Artikel in der Retoure kostet allein am Standort rund einen Euro, sagt der Chef des Hamburger Retourenbetriebs Olaf Wallace. Dabei seien die Transportkosten noch nicht inbegriffen.

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