Getränkeverpackungen
Österreich: Mehrheit fordert Einführung eines Pfandsystems

11.08.2020 Laut einer aktuellen Studie von Research Affairs sprechen sich in Österreich 81 % für die Einführung eines Pfandsystems auf Plastikflaschen aus. Zudem wünschten sich 76 % Pfand auf Aluminiumdosen.

Die Einführung eines Pfandsystems auf Plastikflaschen ist umstritten.
© Foto: imago images / Waldmüller
Die Einführung eines Pfandsystems auf Plastikflaschen ist umstritten.

78 % glauben demnach, dass das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung dadurch generell gestärkt werden würde. 28 % würden dadurch einen positiven Effekt auf das internationale Ansehen Österreichs erwarten.

Studienautorin Sabine Beinschab fasst die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: „Die Studienergebnisse zeigen einen klaren Auftrag an Politik und Wirtschaft. Den Österreicher-/innen ist Umweltschutz wichtig und die Einführung eines Pfandsystems wäre in diesem Zusammenhang ein wichtiger Schritt." Als Nachteile werden die höheren Kosten beim Getränkekauf, den Transport der Verpackungen, vor allem für ältere Menschen, und den benötigten Platz zu Hause für die Aufbewahrung der Gebinde genannt.

Handelsverband: Pfandsystem schwächt ländliche Nahversorgung

Der Handelsverband Österreich dagegen unterstützt den Plan für eine alltagstaugliche Kreislaufwirtschaft der heimischen Wirtschaft. Dieser stelle ein ganzheitliches Modell dar, um die ambitionierten EU-Recyclingziele zu erreichen. Das Konzept sei nicht nur volkswirtschaftlich kostengünstiger als alle alternativen Modelle, es vermeidet eine weitere Belastung der Konsumenten und erfülle darüber hinaus alle abfallpolitischen Zielvorgaben – nicht nur die 90 %-Getrenntsammelquote für Kunststoffflaschen bis 2029.

Die Einführung eines Einwegpfandsystems, das die Nahversorgung ausdünnen würde, sei damit obsolet. Gerade für viele selbstständige Kaufleute wäre die Anschaffung von Pfandautomaten, einer Presse, der Umbau der Fläche und die zusätzlichen Logistikanforderungen keinesfalls finanzierbar. Hunderte Geschäfte, vor allem im ländlichen Bereich, müssten ihre Geschäfte schließen, wodurch die Nahversorgung in manchen Regionen gänzlich entfallen würde. Dies würde mittelfristig auch die Landflucht befeuern, heißt es seitens des Handelsverbands Österreich.
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