Verpackungstrends – immer kleiner und individueller

30.10.2014 Sandro Gubinelli ist Head of Technical Marketing bei der Bobst Group. Das in Mex (VD) ansässige Unternehmen ist der weltweit führende Lieferant von Qualitätsanlagen und -dienstleistungen für die Verpackungsindustrie in den Bereichen Faltschachteln, Wellpappe und flexible Materialien. Zur Erinnerung: Das 1890 von Joseph Bobst in Lausanne gegründete Unternehmen ist in mehr als 50 Ländern vertreten, besitzt 11 Produktionsstätten in 8 Ländern und beschäftigt mehr als 5 000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von CHF 1,354 Milliarden.

© Foto: Bobst Group
Der weltweite Umsatz in der Verpackungsindustrie (Papier, Karton, Kunststoff usw.) stieg 2012 auf 800 Milliarden $ und dürfte bis 2018 die 1000-Milliarden-$-Grenze knacken.

Sandro Gubinelli identifizierte fünf Makrotendenzen in der Verpackungsindustrie:

Format

Der Trend geht in Richtung kleinere Verpackungen (Einzelverpackungen), was auf soziodemografische Faktoren (mehr Alleinstehende, Alleinerziehende und Senioren) sowie die Tatsache, dass weniger Zeit für Mahlzeiten aufgewendet wird, zurückzuführen ist. Weil die Endprodukte in allen Bereichen (Lebensmittel einschließlich Frisch-, Pharma- und Kosmetikprodukte usw.) in kleineren Mengen gekauft werden, wachsen Volumen, Transportfrequenz und Handling stetig.

Transparenz

Aus gesundheitlichen und ethischen Gründen will der Konsument immer besser informiert werden zu den Produkten, die er konsumiert. Die Marken müssen folglich das richtige Gleichgewicht finden zwischen den geforderten Informationen und einer attraktiven Verpackung, welche die Kaufentscheidung positiv beeinflusst – denn rund 67 % der Kaufentscheide werden emotional getroffen.

E- und M-Commerce

In diesem Bereich sind der Preis, Komfort, Zeitgewinn und die Hauslieferung die Hauptmotivationsfaktoren beim Kauf. Die Verpackung spielt lediglich noch eine „schützende“ Rolle. Technologien wie Barcodes, RFID und QR-Codes stellen die Rückverfolgbarkeit der Produkte sicher und können Fälschungen aufdecken, was im Interesse der Marken und Konsumenten ist.

Digitale Verpackung

Dieser Bereich umfasst maßgeschneiderte Verpackungen, die Rückverfolgbarkeit der Produkte, der Zugang zu konsumentenbezogenen Informationen, aber auch die erweiterte Realität und die Geolokalisierung. Dank dieser neuen Technologien wird die Verpackung in den Alltag des Konsumenten einbezogen und der Kaufakt wird zu einem Erlebnis, das bis nach Hause andauert. Diese technischen Entwicklungen haben natürlich einen großen Einfluss auf die Liefer- und Vertriebsketten.

Nachhaltige Entwicklung

Die Konsumenten achten nicht nur vermehrt auf die Herkunft der Produkte, sondern auch auf Umweltaspekte. Dadurch zwingen sie die Hersteller, das Gewicht der Verpackungen zu reduzieren, recycelbare Materialien zu wählen und von gewissen Sekundärverpackungen ganz abzusehen, was deutliche Auswirkungen auf den Transport, den Produktionsort usw. hat.

Sandro Gubinelli identifizierte auch die Trends in der Entwicklung der Berufe und des Unternehmertums in der Verpackungsindustrie:

Arbeitnehmer

Von den Arbeitnehmern wird eine größere Anpassungsfähigkeit verlangt, da sie als Schnittstelle zwischen zwei technologischen Welten – der digitalen und der traditionellen – fungieren.

Arbeitgeber

Sie werden sich mit einer vermehrten Sensibilisierung für Umweltaspekte, Rückverfolgbarkeit und Konformität sowie der Zurverfügungstellung entsprechender Mittel (Schulungen usw.) konfrontiert sehen. Dies bedingt auch das Bewusstwerden, dass der Konsument das Produkt nicht nur einfach erwerben will, sondern auch wissen will, wie es hergestellt wurde, woher es kommt und welchen Weg es genommen hat.

Geschäftsführer

Sie werden auf die Markt- und Konsumentenbedürfnisse eingehen und die entsprechenden technischen Tools einsetzen müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Das Wesentliche heute besteht nämlich darin, sich mit guten Mitarbeiterprofilen einzudecken, um nicht hinter den Trends „hinterherzuhinken“. Denn Innovation ist nicht eine Abteilung, sondern eine Gesinnung.


www.bobst.com

BU: Head of Technical Marketing Sandro Gubinelli

Foto: Bobst Group
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