Deutsche Faltschachtel-Industrie
Positives Ergebnis und Innovationskraft

19.07.2018 Mit einem Produktionsvolumen in Höhe von 856.885 Tonnen konnte die deutsche Faltschachtel-Industrie im Geschäftsjahr 2017 ihr Produktionsvolumen um 1,7 % gegenüber dem Vorjahr steigern.

Entwicklung von 1997-2017: Produktionsvolumen und -wert.
© Foto: Fachverband Faltschachtel-Industrie e.V.
Entwicklung von 1997-2017: Produktionsvolumen und -wert.

Der Produktionswert erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 2,1 % auf 1,861 Milliarden Euro. Damit konnten die Rückgänge im Geschäftsjahr 2016 kompensiert werden. Die FFI Mitgliedsunternehmen zeigten sich dabei robust. Sie konnten bei einem leichten Volumenzuwachs (+0,6 %) ihren Produktionswert sogar um 2,9 % vergrößern. Einen Zuwachs kann die deutsche Faltschachtel-Industrie auch bei der Profitabilität verbuchen. Der Umsatzerlös der Branche stieg von 2.162 Euro pro produzierter Tonne im Jahr 2016 auf 2.171 Euro pro Tonne im Jahr 2017. Das entspricht einem Anstieg um rund 0,4 %.

Im vergangenen Jahr hat die deutsche Faltschachtel-Industrie von der guten Konsumlaune der deutschen Verbraucher bei einer insgesamt positiven volkswirtschaftlichen Entwicklung profitiert. Insgesamt befindet sich die Branche seit ihrem Allzeithoch im Jahr 2011 aber in einer Seitwärtsbewegung.
„Die fortschreitende Europäisierung bei Ausschreibung und Produktion setzt die Faltschachtel-Industrie einem enormen Margendruck aus. Deutsche Standorte stellen ihre Wettbewerbsfähigkeit mit permanenten Effizienzsteigerungen und Prozessoptimierungen ständig neu unter Beweis. Fortschreitende Digitalisierung und Industrie 4.0 gehören inzwischen zum Tagesgeschäft unserer Industrie“, sagt Steffen Schnizer, Sprecher des Vorstands des Fachverbands Faltschachtel-Industrie e.V. (FFI).

Entwicklung von 1997-2017: Umsatzerlös pro Tonne produzierter Faltschachteln. © Foto: Fachverband Faltschachtel-Industrie e.V.
Entwicklung von 1997-2017: Umsatzerlös pro Tonne produzierter Faltschachteln.

Branche entwickelt sich positiv zur „Faltschachtel-Industrie 4.0“

Dabei geht es nicht nur um innerbetriebliche Optimierungen. Zahlreiche digitale Prozesse sind in den Faltschachtelunternehmen und einzelne zu Supply Chain Partnern bereits implementiert.

Eine 360°-Betrachtung aus einerseits existierenden internen sowie externen digitalen Prozessen entlang der Supply Chain bis zum Endkonsumenten und andererseits aus den anstehenden Projekten der digitalen Innovationsagenda der Unternehmen liefert ein detailliertes Bild einer „Faltschachtel-Industrie 4.0“, zu der sich die Branche auf den Weg gemacht hat:

  1. Vernetzung von Markenartikler und Händler mit dem Konsumenten: Die intelligente Faltschachtel mit individualisierten, gedruckten Codes ermöglicht via Smartphone-Kopplung die direkte Interaktion der Marke mit dem Konsumenten.

  2. Digitaldruck: Personalisierte Verpackungen in Auflage 1 ermöglichen die direkte Kundenansprache. Serialisierte Verpackungen dienen der Rückverfolgbarkeit und der Konsumentensicherheit.

  3. Produktionsinformationen: Die vollständige digitale Vernetzung von MIS, ERP und Maschinendaten ermöglicht umfassende Produktionsinformationen. Die Produktion wird dadurch besser planbar und effizienter.

  4. Technik: Durch die Vernetzung mit den Maschinenherstellern und die Verfügbarkeit von Leistungs- und Sensorik-Daten lassen sich Wartung und Instandhaltung besser planen, Verschleiß wird frühzeitig erkannt (Predicitive Maintainance). Wartung kann proaktiv geplant werden und muss nicht vorfallsbezogen erfolgen.

  5. Kapazitäten: Durch die Vernetzung von Produktionsstandorten und die Kollaboration von Einzelunternehmen lassen sich Fertigungs-Kapazitäten besser planen und Back-Up-Lösungen schaffen. Die Produktions- und Liefersicherheit wird erhöht.

  6. Innovationen: Verpackungsentwicklungen laufen schneller ab und zum Teil virtuell. Veredelungen können virtuell simuliert werden – und dies auf Basis von „Echtzeit-Produktionsdaten“ (Design Thinking, Rapid Prototyping).

  7. Personal: Digitale Medien, Webinare und eLearning ermöglichen neue, an die digitale Arbeitswelt angepasste Formen des Lernens und der Qualifikationsverbesserung der Mitarbeiter.

  8. Best Practise: Digitale Kommunikation über Standorte hinweg. Benchmarking wird einfacher. Kommunikation wird effektiver. Lernen und Training kann in Unternehmensgruppen und im Verband dezentral organisiert werden.

  9. Lieferprozesse: Gemeinsame IT-basierte Bestellungen, Logistiklösungen und enge Vernetzungen verändern die Kundenbeziehungen. Der Verpackungshersteller produziert nicht auf Basis von Bestellungen und Auftragsbestätigung, sondern generiert selbstständig und vollautomatisch optimale Produktionen auf Basis von Bedarfen des Kunden und eigenen Kapazitäten.

  10. Automatisierung: Produkte werden über Systemintegration automatisch beim Lieferanten bestellt, wenn der Konsument kauft. Beim Faltschachtelhersteller bestimmt dann eine Intelligenz, wann durch einen Abgleich von Kapazitäten und Lagerbeständen welche Menge produziert wird.

  11. Wirtschaftlichkeit: IT basierte Kalkulationen und Auftragsvorbereitungen schonen Ressourcen vor und während der Produktion. Produktionen können effizienter hinterlegt werden. Produkt- und Materialdatenbanken lassen eine effizientere Rohstoffnutzung zu (Karton, Farbe, Klebstoff, Folie, etc.).

  12. Sicherheit: Die Digitalisierung der internen und externen Prozesse erfordert angemessene Lösungen für die IT- und Datensicherheit in den Unternehmen.


Branchenkonsolidierung

Im europäischen Vergleich steht die deutsche Faltschachtel-Industrie für rund ein Fünftel des europäischen Produktionsvolumens. Damit ist sie etwa doppelt so groß wie Großbritannien, Frankreich oder Italien.

Die Branchenkonsolidierung schreitet mit leichten Schwankungen weiter voran. Beim FFI stehen dem Austritt von zwei Vollmitgliedern sowie zwei assoziierten Mitgliedern in 2017 die Neuaufnahmen eines Vollmitglieds sowie zweier assoziierter Mitglieder gegenüber. Der Verband repräsentiert etwa zwei Drittel des deutschen Faltschachtelmarktes.

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