Die Grenze der Belastbarkeit
Wellpappenindustrie - Quo Vadis?

Donnerstag, 05. Oktober 2017 Führen die seit Anfang 2017 registrierten Veränderungen am Papiermarkt die Wellpappenindustrie geradewegs in die Katastrophe? "Wenn man Analysten und Marktbeobachtern glauben darf, ja", äußert sich Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie e.V. (VDW) besorgt.

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Tatsächlich ist für einige der VDW-Mitgliedsunternehmen bereits jetzt die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Neben einer zunehmenden Rohstoffknappheit, die teilweise zu Lieferengpässen führt, ist die Industrie in 2017 mit extremen Preissteigerungen für Wellpappenrohpapiere konfrontiert.

Die Preise für Recyclingpapiere haben sich seit Anfang 2017 um rund 100 Euro / t verteuert und die Erhöhungen für Kraftliner summieren sich zwischenzeitlich auf bis zu 150 Euro / t. Für die VDW-Mitglieder bedeuten diese Aufschläge Teuerungsraten um bis zu 27 Prozent für die Wellpappenrohpapiere. "Das volle Ausmaß dieser dramatischen Entwicklung wird sichtbar, wenn wir uns vor Augen führen, dass der Anteil der Papierpreise an den gesamten Produktionskosten der Wellpappenindustrie etwa 50 Prozent beträgt. Rechnerisch wären demnach bereits heute Preiserhöhungen für Wellpappenprodukte im Mittel um rund 14 Prozent nötig, nur um die gestiegenen Rohstoffkosten zu kompensieren", fasst Dr. Wolfrum die Situation zusammen.

Mit Blick auf die Zukunft erwartet die Wellpappenindustrie nach Informationen aus dem Mitgliederkreis keine Entspannung. Dies betrifft sowohl die teils extreme Rohstoffknappheit, vor allem für Kraftliner, als auch die Entwicklungen auf der Kostenseite. Beispielsweise könnte die zum Jahreswechsel erwartete Lockerung der vorhandenen Importrestriktionen für Altpapier innerhalb der chinesischen Märkte zu einem immensen Nachfrageüberhang nach Altpapier in Europa und innerhalb Deutschlands führen und hierdurch weitere Preisimpulse für Recyclingpapiere und letztlich die daraus hergestellten Verpackungen setzen.


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