Nachhaltigkeit und Bioökonomie
Umweltfreundliche Verpackung aus Gras für Obst und Gemüse

Dienstag, 08. August 2017 Der sinnvolle Einsatz von lästigem Grasabfall in Verpackung, wo bisher langsam wachsende Rohstoffe verwendet wurden, war die Grundidee des Projektes „Graswellpappe“.

Die Graswellpappe besteht zu 40% aus Gras und zu 60% aus FSC-zertifiziertem Zellstoff.
© Foto: REWE Österreich, Ja! Natürlich
Die Graswellpappe besteht zu 40% aus Gras und zu 60% aus FSC-zertifiziertem Zellstoff.
Statt ausschließlich Zellstoff für Verpackungen zu nutzen, welcher aus Bäumen gewonnen wird die mehrere Jahre wachsen müssen, kann zukünftig Gras, das mehrmals im Jahr gemäht werden muss zu ökologischen Verpackungen verarbeitet werden. Neben Treibhausgasen, Energie und Abwasser spart die Technologie auch noch Rohstoffe und hat verbesserte Eigenschaften zu bieten.

Senkung des Migrationsrisikos von MOSH und MOAH

Kleine Produktionsansätze mit Vollpappe für Schuhkartons und Papieren für Papiertüten waren schon realisiert worden, als C.E.Schweig in ihrem Technologiescreening das Konzept und die dahinterstehende Firma Creapaper aufspürte. C.E.Schweig war für ihren Kunden ja! Natürlich auf der Suche nach einem nachhaltigen Material für Obst- und Gemüseschalen im Industriemaßstab. Die Schalen sollten das Migrationsrisiko von MOSH und MOAH (Mineralölrückstände) ausschließen, ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein und auch bei der Durchfeuchtung mit Kondenswasser nicht unbrauchbar werden.

Ernorme Herausforderungen bis zur Realisierung

Creapaper war schnell für das von C.E.Schweig konzipierte Projekt gewonnen. Ein Kraftakt war es, die Technologie in die Wellpappenfertigung zu transferieren. „Eine Papiermühle zu finden, die Wellpappenrohpapiere herstellt und einen Wellpappenhersteller, der diese Rohpapiere dann zu Wellpappe verarbeitet, sie bedruckt, stanzt und verklebt, war nicht einfach!“ berichtet Carolina Schweig, der Kopf des Ingenieurbüros C.E.Schweig. „Hier war viel Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Auf der einen Seite den Kunden zu einer verbindlichen Abnahme einer Test- / Erstmenge zu bewegen, obwohl er noch kein Produkt in der Hand halten konnte und auf der anderen Seite die Papierfabrik zu bewegen, einen neuen Ansatz mit mehreren zig Tonnen Material zu starten, erforderte viel Diplomatie. Die große Ansatzmenge ist bei der Papierherstellung üblich und durch die großen Papiermaschinen bedingt. „Aber wir haben es geschafft mit exzellentem Projektmanagement, intensiver Kommunikation und dem Willen, Neues zu schaffen. Am 23.12.2016 gab es ein erstes „Go“ beim Kunden und Anfang Juni 2017 waren die ersten befüllten Schalen in den Läden zu kaufen.“ erzählt Schweig stolz.

100% nachwachsende Materialien

Aktuell besteht die Graswellpappe aus 40 % Gras und 60 % FSC-zertifiziertem Zellstoff, das heißt aus 100% nachwachsenden und recycelbaren natürlich gewachsenen Rohstoffen. Das Gras stammt aus extensiv bewirtschafteten Ausgleichsflächen, die bisher nicht genutzt und für die Gewinnung von Graspapier nun sinnvoll eingesetzt werden können. Die Grünflächen werden nicht gedüngt oder chemisch behandelt. Chemie wird auch bei der Herstellung der Rohpapiere gespart, da das Gras nur getrocknet und zu Pellets verdichtet wird. Der chemische „Aufkochprozess“ wie zur Herstellung von Zellstoff oder zur Aufbereitung von Altpapier nötig, wird so vermieden. Folgerichtig spart die Verwendung von Graspapier/Graswellpappe Energie, Brauchwasser, Treibhauspotential und Chemie. Das Graspapier ist frei von Schwermetallen und für den direkten Kontakt mit der Haut als dermatologisch unbedenklich zertifiziert.




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