Neues Druckausgleich System von Vossen Profitec
Dem Prozess die richtige Balance geben

Mittwoch, 26. Juli 2017 Die Stanzform - das wichtigste Werkzeug beim Produktionsprozess im Stanzautomaten - beinhaltet nicht nur Schneidlinien, Rilllinien und eine funktionierende Gummierung. Von größter Bedeutung ist außerdem ein perfekt gestalteter Druckausgleich. Mit dem neuen Balance Druckausgleichsystem hat Vossen Profitec eine weitere Problemlösung entwickelt, die in Testläufen bisher eine sehr gute Figur gemacht hat.

Das neue Balance System von Vossen Profitec sorgt für einen harmonischen Stanzverlauf.
© Foto: Vossen Profitec
Das neue Balance System von Vossen Profitec sorgt für einen harmonischen Stanzverlauf.
Mit der jahrelang vom Werkzeugbau genutzten Formel zur Berechnung des Ausgleichs war bisher nur selten ein gutes Ergebnis zu erzielen, der perfekte Ausgleich der Druckwiderstände nur selten gelungen. „Die Einsparung an Ausgleichslinien hat sich nie wirklich gelohnt“ erklärt Franz Vossen, Geschäftsführer von Profitec. „Der Mehraufwand beim Einrichten des Stanzautomaten war relativ gesehen immer gravierend teurer, als die eingesparten Kosten. Es kam oft zu extrem hohem Zurichteaufwand und häufig auch aufwändigen Zonenzurichtungen. Die hiermit verbundenen Stillstandzeiten des Stanzautomaten waren vielfach erheblich.“

Vollflächige Balance

Das Balance System von Vossen Profitec bietet nun die Möglichkeit zur vollflächigen Balance. Mithilfe einer neu entwickelten Formel, die sich nach der spezifischen Kraft pro cm² der Maschine richtet, kann der Stanzraum und somit der Druckausgleich exakt berechnet werden. Mit Stützelementen aus speziellem technischem Kunststoff stellt das System eine totale Planparallelität sowie Balance im Stanzraum her und sorgt für einen harmonischen Stanzablauf. Das System ist nun als Element und Rod System jeweils für Stanzformen für Faltschachteln aus Karton oder für Wellpappe verfügbar.
Nur das Beste kam bei den Bobst Faltschachteltagen in Meerbusch zum Einsatz: Stanzform ausgerüstet mit Balance Element und Balance Rod. © Foto: Vossen Profitec
Nur das Beste kam bei den Bobst Faltschachteltagen in Meerbusch zum Einsatz: Stanzform ausgerüstet mit Balance Element und Balance Rod.

Die Balance Elemente werden hauptsächlich an den vier Ecken der Stanzform eingesetzt, während die Balance Rods im hinteren oder seitlichen Bereich der Stanzform zum Einsatz kommen. Anzahl und Positionen werden von einem speziell für dieses System entwickelten CAD Modul (PackDesign von BCSI Systems BV) ermittelt. Alle Teile haben an der Unterseite Noppen, die zur Befestigung in der Stanzform dienen. Die entsprechenden Löcher werden ebenfalls von dem CAD Modul vorgegeben und vom Laser geschnitten. Die Balance Elemente und Balance Rods lassen sich je nach Bedarf flexibel von Hand einsetzen und wieder heraus nehmen. Der Maschinenführer kann also selbständig und innerhalb kürzester Zeit die Balance im Stanzraum herstellen.

„Die Entwicklung des Balance-Systems hat tatsächlich einige Zeit gedauert“, so Jennifer Vossen, ebenfalls Geschäftsführerin bei Vossen Profitec. „Doch die Testphase bei Kunden verläuft sehr erfreulich. Wir sind daher gespannt auf die nächste Phase, der Markteinführung.“

Das Balancesystem im Direktvergleich

Auch bei Smurfit Kappa ist das System im Einsatz. Aktuell befindet sich ein Werkzeug mit dem Balance System im direkten Vergleich zum gleichen Werkzeug ohne Balance System. So wurde mit dem Werkzeug, das mit dem Balance System ausgerüstet ist bis heute rund 107.000 Stanzvorgänge gefahren. Der Stanzdruck liegt noch immer bei 100 Tonnen und auf dem Zurichtebogen musste nach wie vor kaum zugerichtet werden. Das Werkzeug ohne Balance System ist bereits bei rund 354.000 Hüben. Der Stanzdruck aber zuletzt bei 180 Tonnen und damit viel höher. Außerdem musste auf dem Zurichtebogen deutlich mehr zugerichtet werden. „Zur Zeit macht das Balance System einen durchweg positiven Eindruck. Wenn dieser Eindruck so bleibt, werden wir sicher auch noch andere Werkzeuge damit ausrüsten“, freut man sich bei Smurfit Kappa.
Im Vergleich: Zurichtebogen mit dem Balance-System… © Foto: Vossen Profitec
Im Vergleich: Zurichtebogen mit dem Balance-System…

Mit dem neuen Balance System wird ein grundlegendes Übel angegangen, was vielen Betreibern von Stanzmaschinen bislang ein Dorn im Auge war. Um in einer Stanzform alle Messer gleichmäßig zum Schneiden/Rillen/Ritzen zu bringen, muss eine zeit- und damit kostenaufwändige Zurichtung hergestellt werden. Dabei erfolgt zunächst eine gröbere Flächenzurichtung und anschließend eine Feinzurichtung. Eine große Rolle dabei spielt die Erfahrung des Einrichters sowie die Qualität des Stanzwerkzeugs. Um nachhaltig gute Stanzergebnisse zu bekommen, kann der Aufwand dazu erheblich sein. Die hohen Rüstzeiten bedeuten einen sehr hohen Kostenaufwand und verringern zudem die Auslastungsmöglichkeiten der vorhandenen Stanzvorrichtungen.
… und ohne Balance-System. Deutlich ist zu sehen, wo weiter zugerichtet werden muss. © Foto: Vossen Profitec
… und ohne Balance-System. Deutlich ist zu sehen, wo weiter zugerichtet werden muss.

Mit dem Balance System lassen sich die Rüstzeiten erheblich reduzieren. Außerdem bekommt der Anwender ein sehr gleichmäßiges Stanzergebnis – auch über einen längeren Stanzvorgang. Eine Erhöhung des Stanzdrucks im Verlauf eines Auftrages ist nicht mehr in dem Maße erforderlich, wie es bisher mit herkömmlichen Systemen war. Das bedeutet einen störungsfreien Maschinenlauf und somit eine höhere Maschinenleistung. Die Aufträge können also schneller abgewickelt werden. Darüber hinaus werden die Messer auch über einen sehr langen Zeitraum geschont und die Stanzformen kommen mit weniger Gummierung aus. Und was den Betreiber ganz besonders freuen wird: Bei Wiederholung von Aufträgen lässt sich die Maschine deutlich schneller anfahren. Das spart Makulatur und Ressourcen. „Und ein weiterer, nicht unerheblicher Nebeneffekt kommt hinzu“, freut sich Franz Vossen, „die Stanzmaschinen laufen mit dem Balance System nach Angaben der Maschinenführer deutlich leiser als ohne Balance System.“


Erschienen in packMITTEL Nr. 3 Juni/2017

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