Automatica 2018
Smarte Roboter erobern den Dienstleistungssektor

Mittwoch, 22. November 2017 Ob in der Logistik, Landwirtschaft, Medizin, im Einzelhandel oder in der Kundeninformation: Mensch und Maschine arbeiten zunehmend Hand in Hand. Die neuesten Entwicklungen in der professionellen Servicerobotik zeigt die automatica vom 19. bis 22. Juni 2018 in München. Konkrete Beispiele aus etablierten Bereichen, aber auch neue Anwendungsszenarien werden auf der Messe präsentiert.

Futuristische Vision von Robotern in Supermärkten
© Foto: Refills
Futuristische Vision von Robotern in Supermärkten
Der berühmte italienische Tenor Andrea Bocelli hatte ernsthafte Konkurrenz um seine prominente Stellung, als Roboter YuMi von ABB gemeinsam mit ihm auf der Bühne des voll besetzten Teatro Verdi von Pisa auftrat, um das Lucca Philharmonic Orchestra zu dirigieren. „Heute Abend schreiben wir Geschichte – und wir beschreiben die Zukunft der Roboteranwendungen“, sagte Ulrich Spiesshofer, CEO ABB Group. „YuMi beweist, wie intuitiv und lernfähig eine Maschine sein kann, und wie schnell sich eine solche Technik einrichten lässt – innerhalb weniger Tage ist der Roboter in der Lage, ein Orchester zu dirigieren.
Andrea Bocelli, YuMi and Ulrich Spiesshofer, CEO ABB Group © Foto: ABB
Andrea Bocelli, YuMi and Ulrich Spiesshofer, CEO ABB Group

Dies zeigt auch, welche unglaublichen Fortschritte gerade im Bereich der Bedienbarkeit gemacht wurden, sodass der Programmieraufwand bei der Einrichtung insgesamt deutlich zurückgegangen ist. Damit lassen sich Robotersysteme nun erheblich einfacher in vorhandene Teams, Warenlager und sogar in ein Orchester einzufügen.

Dies sind die Schlüsselelemente, deren es bedarf, um Serviceroboter in die Welt der Logistik einzuführen, die den größten Wachstumsbereich der Branche und damit mehr als die Hälfte des Gesamtmarktes ausmacht. Laut der International Federation of Robotics (IFR) hat die Zahl der verkauften Serviceroboter in der Logistik im Jahr 2016 um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen.

Optimierung von Logistikprozessen dank Servicerobotik

In der Logistik zwingt das Zusammenspiel von steigenden Kundenerwartungen und Personalmangel die Unternehmen dazu, nach Alternativen wie zum Beispiel automatisierter Ware-zu-Person-Kommissioniertechnik zu suchen. Revolutionär ist die Kombination aus mobilen Robotern und Greifarmen. Sie eröffnet auch kleinen und mittleren Betrieben die Anwendung von Robotern in neuen Bereichen. Fortschritte bei der semantischen Zuordnung steigern die Roboter-Performance bei der aktiven Objektsuche und sogar bei solch komplexen Aufgaben wie der Regalbefüllung. Dies macht sich das EU-Projekt Refills (mit Partnern wie dm-drogerie markt, Intel, KUKA und Swisslog) zum Ziel.
Der mobile Pick-by-Robot Toru von Magazino wurde im vergangenen Jahr von DPDHL erfolgreich getestet © Foto: Creative Commons Zuschreibung
Der mobile Pick-by-Robot Toru von Magazino wurde im vergangenen Jahr von DPDHL erfolgreich getestet

Großes Potential in Gesundheitswesen und Landwirtschaft

Serviceroboter im Medizinbereich gehören zu den teuersten Robotern überhaupt. IFR zufolge wird der Markt in den nächsten vier Jahren um durchschnittlich etwa 25 Prozent pro Jahr wachsen. Das größte Anwendungsgebiet der Medizinroboter sind derzeit chirurgische Systeme. Das größte Potential sehen Fachleute allerdings in Logistiksystemen für Krankenhäuser: Die laufenden Kosten ließen sich damit um bis zu einem Fünftel reduzieren. So ist das Ziel des EU-Projekts Ropod, intelligente und menschenfreundliche automatisierte Fahrzeuge zu entwickeln, um Kostenbedenken und Altlasten in Pflegeeinrichtungen zu überwinden.

Exoskelette erfahren ebenfalls starkes Wachstum. Sie unterstützen Arbeiter ergonomisch bei schwerer körperlicher Arbeit. So bleiben Arbeiternehmer länger gesund und arbeitsfähig – bis zum Renteneintritt. Zu den Vorreitern in diesem Bereich gehören Noonee, Laevo sowie die EU-Projekte Spexor und Robo-Mate.
Das aktive Rumpfmodul von Robo-Mate reduziert die muskuloskelettale Belastung des unteren Rückens © Foto: Robo-Mate
Das aktive Rumpfmodul von Robo-Mate reduziert die muskuloskelettale Belastung des unteren Rückens

In der Landwirtschaft werden Serviceroboter darauf ausgelegt, im Zusammenspiel mit dem Menschen nachhaltig den Ertrag zu steigern. Die Automatisierung von Ackerbau und Viehzucht nimmt zu. Anwendungsorientierte Projekte wie beispielsweise Mars (Mobile Agricultural Robot Swarms, mobile Feldroboterschwärme) legen Fokus auf kleine intelligente unbemannte Landfahrzeuge, die Bodenverdichtung und Energieverbrauch reduzieren und den Einsatz von Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden verringert. Ein anderes EU-finanziertes Projekt, Saga, entwickelt mit Sensoren ausgerüstete Drohnen, um Landwirten in der Präzisionslandwirtschaft deutlich informiertere Entscheidungen zu ermöglichen.
Mars, ein marktfähiger, preisgekrönter, landwirtschaftlicher Roboterschwarm für hochpräzises Pflanzen © Foto: Echord++
Mars, ein marktfähiger, preisgekrönter, landwirtschaftlicher Roboterschwarm für hochpräzises Pflanzen

Eine Chance für Europa

„Serviceroboter sind längst nicht mehr nur ein Forschungsthema. Im Business-to-Business Bereich bietet eine Vielzahl marktreifer Produkte und Lösungen dem Anwender einen konkreten Nutzen mit einem direkten Geschäftsvorteil“, sagt Klaus Kluger, Geschäftsführer der Omron Electronics GmbH für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Europa dominiert dieses Feld und bietet Gelegenheiten für Investitionen, muss aber auch die Interoperabilität und Effektivität der Systeme sicherstellen.

Laut IFR wuchs die Anzahl der verkauften professionellen Serviceroboter im Jahr 2016 um 24 Prozent. Für das kommende Jahr wird eine Steigerung des Absatzes um 17 Prozent und für die Jahre 2018 bis 2020 ein jährliches Plus zwischen 20 und 25 Prozent erwartet. Der Umsatz mit professionellen Servicerobotern weltweit betrug 2016 4,67 Milliarden USD. Das starke Wachstum ermöglicht auch die Entwicklung eines breiten Spektrums an Basistechnologien, wie zum Beispiel Softwarelösungen – das aktuelle Ziel des EU- Projekts RobMoSys. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Mensch-Roboter-Interaktion, zumal Serviceroboter für persönlichen und häuslichen Einsatz an Beliebtheit gewinnen.
RobMoSys: Zusammensetzbare Modelle und Software für Robotik © Foto: Dennis Stampfer
RobMoSys: Zusammensetzbare Modelle und Software für Robotik

Schätzungen der IFR zufolge werden bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 42 Millionen Unterhaltungs- und Haushaltsroboter in unsere Haushalte einziehen. „Zukunftsvisionen zeigen hochkomplexe Haushaltsroboter mit deutlich höherem Nutzen und breiterem Einsatzgebiet“, sagt Martin Hägele, Leiter der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer IPA.

Der Ausstellungsbereich Professionelle Servicerobotik auf der automatica 2018 wird die allerneuesten technologischen Entwicklungen für den B2B-Bereich präsentieren. Von Robotern in der Kundeninformation – die von Einzelhändlern und Museen als Informationsanbieter immer mehr genutzt werden – bis zu den neuen Robotern für die Lieferketten und Vertriebszentren des digitalen Zeitalters: Die automatica 2018 wird die neuesten Automatisierungslösungen für den Dienstleistungssektor zeigen, die schon in Kürze im Einsatz sein werden.


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