Die Firma Bizerba im Porträt
Von Brückenwaagen zu vernetzten Lösungen

Montag, 26. Juni 2017 Waagen lügen nicht - so hatte sich das Andreas Bizer 1866 vorgestellt. Gleich zu Beginn seines Einstiegs in die Waagenbauwerkstätte Gebrüder Bizer in Ebingen auf der Schwäbischen Alb baute er im Auftrag der Stadt Balingen eine Brückenwaage. Wenig später gründete er sein eigenes Unternehmen zur Fabrikation von Brücken-, Tisch- und Balkenwaagen.

Das Bizerba Headquarter in Balingen. Der Stammsitz Balingen ist zugleich Hauptproduktionsstandort. Darüber hinaus unterhält Bizerba elf weitere Fertigungsstätten – drei davon in Deutschland und acht im Ausland. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 1.900 Mitarbeiter, weltweit insgesamt 3.900 Mitarbeiter
© Foto: Bizerba
Das Bizerba Headquarter in Balingen. Der Stammsitz Balingen ist zugleich Hauptproduktionsstandort. Darüber hinaus unterhält Bizerba elf weitere Fertigungsstätten – drei davon in Deutschland und acht im Ausland. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 1.900 Mitarbeiter, weltweit insgesamt 3.900 Mitarbeiter
Aus der Kombination des Familiennamens mit der ersten Silbe der Heimatstadt Balingen erwuchs in den Folgejahren mit Bizerba eine Marke, die weltweit bekannt und erfolgreich wurde und die 2016 ihren 150 jährigen Geburtstag feierte.

Innovation und Qualität

Forschung- und Entwicklung bilden bei Bizerba die Grundlage von Innovation und Qualität. War die Brückenwaage, eine Laufgewichtswaage, 1866 der erste „Geniestreich“ des Handwerkers, stehen heute die elektronischen Nachfolger mit ihren vielfältigen Varianten für die Innovationskraft des Unternehmens. Alle Ideen und Entwicklungen verfolgen das Ziel, die Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik zu verzahnen. Treiber dieser Entwicklungen ist die rasch wachsende Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft – Industrie 4.0. Auch Bizerba Vorstand und Gesellschafter Andreas Kraut sieht die Themen Individualisierung und Flexibilität in der Industrie 4.0 als große Herausforderungen. „Wir müssen als Bizerba den Wandel in unseren Kompetenzfeldern nicht nur mitgehen, sondern gestalten. Denn letztlich schluckt nicht der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen“, so sein Statement mit Blick auf Innovationsfreude und schnelle Markteinstiege.

Lösungen für jede Branche

Bizerba hat für verschiedene Branchen eine Vielzahl innovativer Produkte und Dienstleistungen entwickelt. Das wird besonders bei den Ladenwaagen deutlich. Heute arbeiten Waagen im Einzelhandel ausschließlich digital und sind Alleskönner. Dafür stehen eine Reihe von PC Waagen mit unterschiedlichen Leistungen zur Auswahl. Mit der PC Waage K-Class Flex beispielsweise lassen sich Arbeitsabläufe vereinfachen. Innerhalb des Baukastensystems können einzelne Komponenten wie Touchscreens, Drucker, Wägeterminals und Lastaufnehmer frei miteinander zu einer individuellen Waagen-Kassen-Lösung kombiniert werden. Das spart Platz und ist zudem ergonomisch durchdacht. Vom Infoterminal mit oder ohne Drucker über die reine Kassenfunktion bis zur kompletten Waage ist nahezu jede Kombination realisierbar.

Industriewaagen dagegen sind anderen Umgebungs- und Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Sie müssen robust, staubunempfindlich und dennoch punktgenau arbeiten. Für die Gewichtsermittlung kommen DMS Wägezellen zum Einsatz. Dehnungsmessstreifen (DMS) arbeiten auf der Basis der Änderung des Widerstandes durch Längen- und Querschnittsänderung. Das heißt: Wird ein DMS gedehnt, nimmt sein Widerstand zu. Wird er gestaucht, nimmt sein Widerstand ab. Beispiele sind die Lastaufnehmer unterschiedlichster Bauart wie Economy, Professional, Precision oder Special. So bieten zum Beispiel die Lastaufnehmer der Economy Baureihe, mit Single-Point oder Multi-Point Wägezellen ausgestattet.

Über das Wiegen zum Systemlieferanten

Waagen zählen zwar zum Kerngeschäft von Bizerba, doch sind viele Peripherien dazugekommen. Systemlösungen werden somit wichtiger. Deutlich wird das an einem Beispiel aus der Fleischindustrie. Speziell in der Fleischindustrie, sind Sauberkeit und Qualität unabdingbare Voraussetzungen für den Verkauf, ebenso wie die Darbietung des Produkts und seines Etikettes. Was draufsteht muss auch drin sein, dafür gibt es gesetzliche Vorschriften. Aber bevor verpackt werden kann, muss der Inhalt „durchleuchtet“ werden. Mit einem durchgängige Konzept an Systemlösungen lässt sich das Risiko fremder Inhalte minimieren oder ausschalten.

Bizerba bietet dafür drei Technologien: Metalldetektion, Röntgen-Technologie und optische Inspektion. Metalldetektoren und Röntgensysteme analysieren auf Fremdkörper und lassen sich an die Erfordernisse des Herstellers anpassen. Metallteile wie Aluclips an Poly-Clip-Beuteln findet das Röntgensystem und schließt sie von der Prüfung aus. Auch Gläser oder Konservendosen werden erkannt. Automatische und mit Metalldetektor ausgerüstete Kontrollwaagen eignen sich auch zur Füllmengenkontrolle und Prozessregelung. Eine Feedback-Funktion verhindert, dass zu viel Ware verpackt wird. Wichtig ist auch die Kontrolle der Siegelnaht auf Fremdkörper- und Lufteinschlüsse. So werden undichte Packungen vermieden und Produkte vor frühzeitigem Altern bewahrt. Jedes Produkt wird zu hundert Prozent geprüft, das Ergebnis mit Bild gespeichert. Diese Dokumentation hilft bei Gesprächen mit Kunden und Gesetzgebern.

Die Wandlung des Etiketts
Ein weiteres wichtiges Thema sind Etiketten. Sie sollen sich nicht vom Produkt oder der Verpackung ablösen. Unter Produktionsbedingungen mit Kälte und Feuchte ist das eine Herausforderung. Auch dafür bietet Bizerba passende Lösungen: Etiketten aus Laminat in Eigenproduktion. Sie sind haltbar und stabil, bleiben selbst bei Kälte und Feuchtigkeit haften und sind gut lesbar.
In Bochum betreibt Bizerba die größte Druckerei für thermosensitive Etiketten für die deutsche Lebensmittelbranche. © Foto: Bizerba
In Bochum betreibt Bizerba die größte Druckerei für thermosensitive Etiketten für die deutsche Lebensmittelbranche.

Heutige Etiketten kennzeichnen nicht nur, sie steuern auch komplexe Prozesse. Auf kleinstem Raum müssen viele Informationen untergebracht werden. Bizerba produziert und bedruckt an sechs Standorten weltweit Etiketten. Basis der Etiketten ist das Bizerba Laminat. Dessen Aufbau wird der Aufgabe und dem Kundenwunsch entsprechend angepasst und enthält die Komponenten Trägermaterial, Papier und Kleber. Durch eine thermoreaktive Beschichtung ist es möglich, für ein ganzes Artikelsortiment, bestehend aus Hunderten Produkten, dasselbe Etikett einzusetzen. Das Grundlayout mit den firmenspezifischen Parametern wird vorgedruckt, etwa mit Logo, Slogan und generellem Corporate Design (CD). Die Felder für die variablen Daten wie Produktname, Datum, Charge, Gewicht, Preis und Barcode sind zum Zeitpunkt der Lieferung noch unausgefüllt. Das Plug-in-Label zählt zu den Innovationen in der Etikettenherstellung und bildet einen wichtigen Baustein in der intelligenten Steuerung der Preis- und Warenauszeichnung.
Das Preis- und Warenauszeichnungssystem GLM-Ievo 150 ist für das automatische Verwiegen und Etikettieren von vorverpackter Ware konzipiert. Bis zu 150 Packungen pro Minute verarbeitet das System. © Foto: Bizerba
Das Preis- und Warenauszeichnungssystem GLM-Ievo 150 ist für das automatische Verwiegen und Etikettieren von vorverpackter Ware konzipiert. Bis zu 150 Packungen pro Minute verarbeitet das System.

Hier kommt wieder Industrie 4.0 ins Spiel. Mit deren Hilfe lässt sich eine auf den Abnehmer zugeschnittene Produktion umsetzen. Um die Umstellung Schritt für Schritt zu vollziehen, sind autonome, selbststeuernde, wissensbasierte und sensorgestützte Produktionssysteme erforderlich. In dieses Kompetenzfeld stößt Bizerba mit seinen Entwicklungen vor. Das Plug-in-Label System ist ein Beispiel, wie diese neue Technologie genutzt werden kann.

Legt zum Beispiel ein Fleischproduzent eine Etikettenrolle ein, scannt der Preisauszeichner mit einem Kamerasystem einen Code auf der Rückseite des Trägerbandes und stellt sich selbständig auf die entsprechende Anwendung ein. Über das Plug-In-Label System lassen sich Etiketten verifizieren. Bevor die Etikettierung startet, werden Plug-In-Label Code und PLU Code automatisch abgeglichen. So wird sichergestellt, dass die Produkte nur in der jeweiligen Landessprache ausgezeichnet werden. Stimmen Code und PLU Code nicht überein, sperrt der Preisauszeichner die Etikettierung und gibt eine Warnmeldung.
Auch das Modell GLM-Ievo 200 ist netzwerkfähig. Die Packungen werden mit Hochgeschwindigkeit zugeführt, gewogen und je nach Packungsgröße ausgerichtet, etikettiert und über das integrierte „Quality-Check-Inside“ System kontrolliert. © Foto: Bizerba
Auch das Modell GLM-Ievo 200 ist netzwerkfähig. Die Packungen werden mit Hochgeschwindigkeit zugeführt, gewogen und je nach Packungsgröße ausgerichtet, etikettiert und über das integrierte „Quality-Check-Inside“ System kontrolliert.

Erst wenn die Rolle gewechselt oder der richtige PLU Code aufgerufen ist und alle Parameter übereinstimmen, startet die Maschine mit der automatischen Konfiguration. Das reduziert die Rüstzeit und beugt Rückrufaktionen vor. Mit dieser Technologie lassen sich auch komplette Produktionslinie steuern.

Service im Wandel
Industrie 4.0 verändert auch die bisher genutzten Methoden des Service. Vor Jahren waren Techniker bei geringsten Störungen bereits zum Kunden unterwegs. Heute läuft vieles unter den Stichworten Predictive Service und Predictive Maintenance: vorausschauender Service und vorausschauende Wartung. Bei Bizerba läuft das über die Software Brain2. Mit der Installation geeigneter Sensoren an relevanten Stellen wird eine Maschine entweder völlig autark den Service beauftragen oder den Technikern im Werk Fehlermelden. Hier könnte die eigene Instandhaltung erste Hilfsmaßnahmen ergreifen. Software spielt dabei eine zentrale Rolle, da gerade bei der Vernetzung von Maschinen auch die Datensicherung entscheidend ist. Deshalb wird bei Bizerba über alle Geschäftsbereiche hinweg intensiv an Lösungen gearbeitet, die Unternehmen bei der Umsetzung von Industrie 4.0-Ansätzen von der Produktion bis in den Verkauf, unterstützen.

Erschienen in packREPORT Nr. 3 März/2017

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