Lebensmittelsicherheit
Neue Lösungen gefragt

Dienstag, 14. November 2017 Verpackungswirtschaft.de hat in den letzten Wochen verstärkt über die Hintergründe zur Migrationsproblematik durch Mineralöle berichtet. Für die Verpackungsbranche ist das Thema jedoch nicht neu. Denn bereits seit Bekanntwerden der migrationsfreudigen Eigenschaften von Mineralöl suchen die Hersteller nach Lösungen.

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Recyclingpapier/-karton und Barrieretechnologien

Ein gutes Beispiel ist Recyclingpapier/-karton. Hier konnten die Hersteller in relativ kurzer Zeit sehr gute Ergebnisse erzielen. Der Mineralölgehalt vieler Sorten wurde sehr deutlich gesenkt. Das konnte vor allem durch ein konsequentes Aussortieren besonders belasteter Altpapiere und den Einsatz von Holzschliff oder Frischfasern erreicht werden.

Sowohl im Fall von Papier und Karton als auch bei Folien gibt es eine ganze Reihe von Barrieretechnologien, die eine Migration von Mineralöl in Lebensmittel über die Verpackung effektiv verhindern.

Lösungen aus der Industrie

Grundsätzlich ist das Bewusstsein in der Verpackungsindustrie für die Problematik bis heute gestiegen. Das zeigen auch die Beispiele aus den letzten Jahren:

Bereits 2014 meldeten BASF und Omya die Entwicklung einer Barrierelösung für Papier und Kartonverpackungen auf Polymerbasis. Die sogenannte Coater-Ready-Barriere-Lösung besteht aus Pigmenten, Additiven und funktionalen Barriere-Dispersionen.

Sappi stellte 2016 die papierbasierte Barrierebeschichtungslösung Algro Guard vor, die gegen das Eindringen von Sauerstoff, Wasserdampf sowie Fett- und Mineralölen schützt. Algro Guard soll zu mehr als 80% aus erneuerbaren Materialien bestehen.

Zeller+Gmelin stellte 2017 mehrere neu entwickelte Farbsysteme vor, die laut Hersteller „mehr Schutz vor Migration“ bieten und geruchsarm sind. Durch den Einsatz multifunktionaler Initiatoren mit einem hohen Molekulargewicht von ca. 1000 Dalton wird das Migrationsrisiko gesenkt. Die Formulierung enthält spezielle polymerisierbare Gruppen, die an der Aushärtung teilnehmen.

Weilburger Graphics aus dem fränkischen Gerhardshofen brachte 2016 zwei migrationsarme Lacke heraus, die für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind. Sie sind für schnelle Trocknung im Stapel geeignet und sollen sich durch gutes Stehvermögen und Scheuerschutz auszeichnen.

Taghleef Industries hat die migrationssichere BoPP-Folie Extendo entwickelt, die nach Herstellerangaben sogar bessere Eigenschaften als Acryl- oder PVDC lackierte BoPP-Folien haben. Auch gegen Aromen soll sie eine hohe Dichtigkeit besitzen.

Weitere Strategien zur Mineralölreduktion

Bisher gibt es verschiedene Technologien, um eine Barrierefunktion zu erreichen: Perfluorierte Kohlenwasserstoffe werden in einer Stärkeflotte aufgetragen und sind kosteneffizient genug für eine Massenproduktion. Sie sind Öl- und fettresistent, können jedoch nur schwer recycelt werden. Eine weitere Strategie wäre es, das Papier mit einer barrieredichten Polyethylenfolie zu laminieren. Aber auch diese Lösungen sind nur mit hohem Aufwand recyclebar

Aus der Stärkeindustrie kennt man bereits verschiedene Stärketypen, die eine gute Mineralölbarriere ergeben, aber anfällig gegenüber Feuchtigkeit sind. Dow stellte im Oktober 2017 eine neue Acrylat-basierte wässrige Emulsion mit guten Barriereeigenschaften namens Rhobarr130 vor. Ganz besonderes Augenmerk legt die Industrie auf eine sorgfältige Verarbeitung, denn kleinste Fehler können die Barriere unwirksam machen.

Muss der Staat Grenzwerte festsetzen?
Doch so effektiv diese Technologien auch sind, ihr Effekt verpufft, wenn sie nicht genutzt werden. Ohne gesetzliche Grenzwerte sind Lebensmittelhersteller nicht gezwungen, Verpackungen mit Mineralölbarriere zu verwenden. Daher sind Handel und Lebensmittelindustrie alles in allem „noch sehr verhalten“ mit dem Einsatz neuer Barriere-Technologien, obwohl die Verpackungsindustrie bereits seit Jahren daran arbeitet. An dieser Situation wird sich auch kurzfristig nicht viel ändern. Erst wenn es gesetzliche Grenzwerten gibt, bekommen mineralölarme Verpackungslösungen die Aufmerksamkeit, die sie auch heute schon verdienen.







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