BVDM überarbeitet Anforderungsliste
Was müssen Druckmaschinen leisten?

Montag, 10. Juli 2017 Und wie stellt man sicher, dass neu installierte Systeme die festgelegten Spezifikationen tatsächlich einhalten? Der BVDM erarbeitet derzeit gemeinsam mit seinen Partnern zwei Richtlinien.

Die neue Richtlinie gilt jetzt auch für "lange" Druckmaschinen mit zwischengeschalteten Lackier- und Trocknungseinheiten.
© Foto: BVDM
Die neue Richtlinie gilt jetzt auch für "lange" Druckmaschinen mit zwischengeschalteten Lackier- und Trocknungseinheiten.
Diese sollen Käufern und Anbietern helfen, sich vor dem Maschinenkauf auf ein Pflichtenheft zu verständigen und nach der Installation eine fundierte Abnahmeprüfung durchzuführen: Die seit Jahren bewährten Abnahmerichtlinien für Bogenoffsetdruckmaschinen werden auf den neuesten Stand gebracht. Und erstmals wird in Kürze eine Prüfrichtlinie für elektrofotografische Bogendigitaldrucksysteme zur Verfügung stehen.

Bogenoffsetdruck: Berücksichtigung neuer Druckmaschinenkonzepte

Die Richtlinie zur technischen Abnahme von Bogenoffsetdruckmaschinen gilt künftig auch für neuere Druckmaschinenkonzepte, beispielsweise „lange“ Druckmaschinen mit vor- und zwischengeschalteten Lackier- und Trocknungseinheiten. Neue Prüfkriterien werden für den Passer und das Tonwertübertragungsverhalten entwickelt. Andere Prüfungen werden modifiziert, um aussagekräftigere Messergebnisse zu erhalten und den Prüfablauf effizienter zu gestalten. Das schließt auch eine Überarbeitung der Testformen ein. Sämtliche Vorgabewerte werden überprüft und ggf. dem Stand der Technik entsprechend neu festgelegt.

Die Richtlinie erarbeitet der BVDM gemeinsam mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und dem Sächsischen Institut für die Druckindustrie (SID). Sie soll bis zum Jahresende 2017 vorliegen. Die technische Abnahme von Lackierwerken an Bogenoffsetdruck-maschinen wurde bereits in einer separaten Richtlinie geregelt, die seit Dezember 2016 veröffentlicht ist.

Digitaldruck: Erstmals objektive Kriterien für die Systemprüfung

Digitaldrucksysteme unterscheiden sich im Hinblick auf Druckqualität, Leistung und Preis deutlich stärker voneinander als Bogenoffsetdruckmaschinen. Konsequenterweise wird die neue Prüfrichtlinie für elektro-fotografische Digitaldrucksysteme keine Vorgabewerte ausweisen. Den-noch ermöglicht die Richtlinie eine Einordnung der Systeme: Zu jedem einzelnen Prüfparameter beschreibt sie die Bandbreite des Marktangebots und nennt zum Vergleich typische Werte des Offsetdrucks. Das erleichtert es den Vertragspartnern, individuelle Grenzwerte zu vereinbaren. Nach der Inbetriebnahme eines Drucksystems lässt sich dann objektiv prüfen, ob es den festgelegten Anforderungen tatsächlich entspricht. Hierzu stellt die Richtlinie Vorgaben für Gestaltung, Druck und Auswertung von Testformen bereit.

Prüfvorschriften gibt es zur Farbgenauigkeit beim 4c- und Sonderfarbendruck sowie zur Gleichmäßigkeit (über den Druckbogen), Konstanz (über die Auflage) und Reproduzierbarkeit (über einen längeren Zeitraum) der Farbwiedergabe. Außerdem regelt die Richtlinie die Prüfung verschiedener Bildqualitätsparameter (u. a. Auflösung und Homogenität), der Tonwertübertragung und der Passer-/Registereigenschaften von Digitaldrucksystemen.
Die Prüfrichtlinie wird gemeinsam von BVDM und Fogra herausgegeben. Die Veröffentlichung ist noch im Sommer 2017 geplant.

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