Aktuelle CVUA-MEL-Untersuchung lässt aufhorchen
Mineralwasser: Kunststoff-Mikropartikel in jeder Probe

Dienstag, 13. Februar 2018 Das Ergebnis vorne weg. Alle Proben der untersuchten Mineralwässer waren mit Mikropartiken belastet. Rund 80 Prozent der gefundenen Plastikteilchen lagen im kleinsten untersuchten Größenbereich und schwankten zwischen 5 bis 20 Mikrometer. Und Kunststoffverpackungen können ebenfalls Mikrokunststoffpartikel emittieren. Das ist neu.

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Bislang existieren nur sehr wenige gesicherte Daten über das Vorkommen von Kunststoff-Mikropartikel in Lebensmitteln. Die Anzahl an Veröffentlichungen (Fisch ausgenommen) ist noch gering und beschränkt sich hauptsächlich auf Muscheln und Salz. Eine wissenschaftlich umfassende Risikoanalyse im Sinne des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes gibt es bisher nicht.

Aufgrund dieser schlechten Datenlage wurde das Projekt „Mikroplastik in Lebensmitteln, Futtermitteln und Kosmetika“ am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) in Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ins Leben gerufen. Und wie sich jetzt zeigt sind die ersten Ergebnisse alarmierend.

Ergebnisse der Studie

Laut einer jetzt veröffentlichten Studie wurden Mineralwässer aus 22 verschiedenen Mehrwegflaschen und Einwegflaschen aus PET untersucht, 3 Getränkekartons und 9 verschiedenen Glasflaschen. Dabei wurde in allen Verpackungsarten Mikrokunststoffpartikel im kleinen (50-500 µm) und sehr kleinen (1-50 µm) Größenbereich gefunden. Ca. 80 % aller identifizierten Partikel gehörten dem kleinsten untersuchten Größenbereich von 5-20 µm an. Dieser Größenbereich kann bisher nur mit der hier verwendeten Raman-Mikrospektroskopie abgedeckt werden.

Die meisten der in den PET-Mehrwegflaschen gefundenen Partikel wurden als Polyethylenterephthalat (PET, 84 %) und Polypropylen (PP; 7 %) identifiziert. Die Mehrwegflaschen sind aus PET hergestellt und die Deckel aus PP. Im Wasser der Einwegflaschen wurden nur sehr wenige PET Partikel gefunden. Im Wasser der Getränkekartons und Glasflaschen wurden weitere Polymere wie Polyethylene und Polyolefine gefunden. Getränkekartons sind mit Polyethylenfolien beschichtet und die Polypropylen-Deckel mit Lubrikanzien behandelt. Das deutet darauf hin, dass die Verpackungen selbst Polymerpartikel abgeben.

Fazit für den Verbraucher

Neben den bisher bekannten Mikropartikel-Quellen (sekundäres Mikroplastik aus Littering oder primäres Mikroplastik aus Kosmetika) zeigen die Ergebnisse, dass Kunststoffverpackungen ebenfalls Mikroplastikpartikel emittieren können, die direkt vom Verbraucher aufgenommen werden.

Die Empfehlung des CVUA-MEL

Weitergehende Forschung und Analysen sollten insbesondere für in Kunststoff verpackte Nahrungsmittel in dem unteren Mikrometerbereich < 50 µm erfolgen. In Zusammenarbeit mit Herstellern/Abfüller/Industrie wären weitere Untersuchungen zum Abrieb und/oder Sprödigkeit bezüglich der Wiederverwendbarkeit von PET-Mehrwegflaschen sinnvoll. Auch könnte eine Ursachenforschung im Bereich der Glasflaschen entlang des Herstellungsprozesses Aufschluss darüber geben, warum innerhalb einer dreifachen Bestimmung der Mineralwässer je einer Sorte so große Schwankungen bei einigen Herstellern auftreten können und bei anderen wiederum nicht.

Zur Zeit werde versucht, die Methode dahingehend zu ändern, dass Mikroplastik im Bereich 1-5 µm und damit im Bereich der darmgängigen Partikelgröße untersucht werden kann.

Link zur Studie
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