Wieviel Mineralöl vertragen wir?
Nach wiederholten Funden von Mineralöl in Lebensmitteln

Mittwoch, 25. Oktober 2017 Mineralöl – eigentlich gehört es in den Tank, es steckt aber in vielen, auch gesunden Lebensmitteln. Zum Beispiel in Müsliriegeln, Reis oder Haferflocken oder Schokolade, wie die jüngsten Funde im Juli zeigen. Auch in vielen Lebensmittelverpackungen lassen sich Rückstände von Mineralöl nachweisen. Doch wo kommen die Mineralölbestandteile eigentlich her und wie gefährlich sind sie tatsächlich für uns Menschen? Die Redaktion von Verpackungswirtschaft.de hat den aktuellen Stand der Dinge zusammengefasst.

Wie kommt Mineralöl in die Nahrungsmittel?

Das wissen wir heute bereits sehr gut. Die Mineralölfraktionen kommen auf vielfältige Art und Weise in die Nahrungsmittel. Und nicht immer über die Verpackung. Bei der Produktion etwa können Schmieröle von Maschinen in die Ernte gelangen. Aber auch beim Transport der Produkte: Jute-/Sisalsäcke und Wellpappkartons können mit Mineralöl belastet sein. Denn ein Großteil der Verpackungen besteht aus recyceltem Karton. Darin sind viele mit Mineralöl bedruckte Zeitungen verarbeitet. Weitere Eintragsquellen können zum Beispiel direkt auf die Verpackung aufgebrachte Druckfarben, Lacke, Kunststoffmaterialien, Beschichtungen, gewachste Papiere oder Klebstoffe sein.

Doch wie gefährlich sind Mineralölbestandteile?

Schwierig zu beantworten. Fakt ist: In den letzten Jahren wurden in diversen Testreihen Ratten mit extrem hohen Dosen Mineralöl gefüttert und später gemessen, wie viel davon und welche Substanzen sich in ihren Organen anreichern. Gleichzeitig hat man Mineralöl-Rückstände in menschlichen Organen untersucht. Das Ergebnis ist tatsächlich alarmierend. Die Konzentrationen, die sich über Jahre bei uns Menschen ansammeln, sind demnach erheblich höher als erwartet. Bis zu 13 Gramm Mineralöl kann sich im Laufe unseres Lebens im Körper anreichern. Wie sich die einzelnen Fraktionen jedoch auswirken, darüber gibt es in der Wissenschaft nach wie vor Streit. Deshalb gibt es keine gesetzlich geregelten Grenzwerte – sondern nur Empfehlungen.

Die für Verbraucherschutz zuständige Behörde, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), ist der Auffassung, dass der Übergang von Mineralölen auf Lebensmittel dringend minimiert werden sollte. Für die besonders gefährlichen, potentiell krebserregenden und erbgutverändernden aromatischen Mineralöle (MOAH) heißt es beim BfR sogar, dass kein nachweisbarer Übergang auf Lebensmittel stattfinden sollte.

Verbraucherverbände und Industrie fordern seit langem eine bindende Regelung mit Höchstwerten der gesundheitsschädlichen Stoffe aus Mineralölen. Abhilfe kann nur die Europäische Kommission liefern. Momentan läuft ein sogenanntes Monitoring-Verfahren zur Mineralöl-in-Lebensmittel-Debatte, das im Februar 2019 abgeschlossen sein soll. Erst dann kann eine entsprechende Regelung in Kraft treten und wir Verbraucher müssen uns nicht mehr um Mineralöl in Lebensmittel fürchten.

Weitere Details zu MOAH, aber auch zu den viel diskutierten Stoffgruppen MOSH und POSH gibt es in unserem Newsletter am 14. November. Jetzt kostenfrei anmelden!

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