Öko-Test prüft 40 Schokoladen
Erneut Mineralöl-Spuren in Schokolade gefunden

Donnerstag, 06. Juli 2017 Zum wiederholten Male wurden Teile von Mineralöl in Schokolade gefunden. Das Magazin Öko-Test untersuchte anlässlich der ersten chinesischen Aldi-Filiale Schokoladen auf Bestandteile, die nichts dort verloren haben. Von 40 untersuchten Tafeln war lediglich ein einziges Testobjekt nicht belastet. Alle anderen wiesen leichte bis erhebliche Belastungen auf.

Fast alle getesteten Sorten waren mit Mineralöl belastet. Die Unterschiede lagen allerdings teils weit auseinander.
© Foto: DFV-Mediengruppe
Fast alle getesteten Sorten waren mit Mineralöl belastet. Die Unterschiede lagen allerdings teils weit auseinander.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bestandteile von Mineralöl in Schokolade gefunden wurden. Bereits 2012 fand das Magazin „Test“ Verunreinigungen in Weihnachtskalendern. Damals wurden stark erhöhte Werte von verschiedensten Ölkomponenten in der Schokolade gefunden und in der Folge mehrere Produkte zurückgerufen. Konkret geht es um die Mineralölbestandteile MOSH, POSH und MOAH. Mineralöl setzt sich aus zwei chemischen Fraktionen zusammen, die meist weniger als 25 Kohlenstoffatome haben. Der Großteil (75-85%) besteht aus sogenannten MOSH, die kleinere Fraktion (15-25%) besteht aus MOAH. Beide Stoffgruppen können durch direkten Kontakt oder durch die Luft in Lebensmittel migrieren.

MOSH steht für „Mineral Oil Saturated Hydrocarbons“, also Mineralöl gesättigte Kohlenwasserstoffe, die sich in Fettzellen, in Lymphdrüsen, sowie in Milz und Leber einlagern und besonders langsam wieder abgebaut werden. Sie stehen im Verdacht, Entzündungen und Schäden in Organen zu verursachen. POSH steht für „Polyolefin Oligomeric Saturated Hydrocarbons“ und bezeichnet gesättigte Kohlenwasserstoffe, die aus Verpackungen in Lebensmittel migrieren können. Laut dem BfR ist es unklar, ob POSH toxisch ist. MOSH und POSH sind sich in ihrer Struktur so ähnlich, dass man sie im Labor kaum auseinanderhalten kann. Fest steht: In Lebensmittel gehören sie kaum. Trotzdem werden sie immer wieder in verschiedenen Lebensmitteln nachgewiesen.

Und dann wären da noch die MOAHs, die „Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons“. MOAH besteht aus einer großen Anzahl von aromatischen Kohlenwasserstoffen, die überwiegend aus einem bis vier Ringsystemen bestehen. MOAH mit drei bis sieben Ringsystemen gelten laut der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa selbst in kleinsten Mengen als krebserregend. Manche Hersteller ziehen den Umkehrschluss, dass MOAH mit weniger als drei Ringsystemen dementsprechend ungefährlich seien. Das BfR drückt sich hier jedoch unmissverständlich aus: „Es sollte kein nachweisbarer Übergang von MOAH Auf Lebensmittel stattfinden.“

Viele Übertragungswege

Doch wie kommt Mineralöl in Schokolade? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Im Falle von POSH steht durch die Migration in Lebensmittel die Verpackung am Pranger. Dabei gibt es Verpackungen, die extra so beschichtet sind, dass Mineralöle nicht an das Produkt kommen. In der Kritik stehen auch recycelte Kartons. Früher wurden in Farben oft Ölbestandteile benutzt. Diese finden sich in der recycelten Verpackung wieder und gehen in Schokolade über.

Also ist die Verpackung schuld? Ganz so einfach ist es nicht. Denn Schokobohnen kommen mit wesentlich mehr Öl in Kontakt als vermutet. Etwa in Maschinen bei der Ernte oder in der Verarbeitung. Eine weitere Quelle wurde auf dem Transport entdeckt. Oft werden Kakaobohnen in Jute- oder Sisalsäcken transportiert, die mit Batching-Ölen imprägniert wurden, die aus Mineralöl hergestellt werden. Durch die vielen Anwendungen von Mineralöl in Verbrennungsmotoren kommen Kohlenwasserstoffe in der gesamten Umwelt vor (ubiquitär).

Fazit:

MOSH kommen in fast allen getesteten Tafeln vor. Teils in geringer Menge, teilweise jedoch in hoher Konzentration: die „Ja! Zartbitterschokolade“ von Rewe knackt die schlechteste Bewertungsstufe gar um das zehnfache. Das krebserregende MOAH findet sich in neun getesteten Sorten.

Rewe nahm zu den Vorwürfen Stellung und rechtfertigte sich, ihre Produkte seien nach „geltendem Recht uneingeschränkt verkehrsfähig und gesundheitlich unbedenklich“. Und trotz der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse haben sie damit Recht. Denn es gibt keine gesetzlichen Höchstwerte für MOSH/POSH und MOAH. Zwar sollten sie längst in den Gesetzestext aufgenommen werden, doch „technisch-analytische Schwierigkeiten bei der Bestimmung“ ließen die Mineralöle aus dem letzten Entwurf verschwinden, äußerte sich das Bundesministerium für Ernährung gegenüber Öko-Test.

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