Mineralöl in Lebensmitteln
Die 10 wichtigsten Fakten

Dienstag, 14. November 2017 Mineralöl in Lebensmitteln – ein Thema das nicht nur die Verpackungsindustrie beschäftigt, sondern auch in der Öffentlichkeit und in der Politik diskutiert wird. Aber wie kommt denn jetzt das Mineralöl in die Produkte? Gibt es gesetzliche Regelungen? Welche Folgen kann eine Mineralölbelastung für Menschen haben? Und sind nur Lebensmittel betroffen? Wir haben für Sie die 10 wichtigsten Fakten zum Thema recherchiert und zusammen getragen.

Fakt Nr. 1
Mineralöle kommen nahezu überall vor und belasten Lebensmittel nicht nur über Verpackungen

Es gibt reichliche Gelegenheiten für Nahrungsmittel mit Mineralölstoffen in Berührung zu kommen – nicht nur über Verpackungen! Bereits bei der Ernte können Schmierstoffe und Hydrauliköle in Lebensmittel migrieren. Genauso kann dies im Kontakt mit Transportverpackungen, durch Abgase und Emissionen geschehen. Auch Verpackungen selbst, die aus recyceltem Altpapier bestehen, können zu Quellen von Verunreinigung werden. Die Mineralöle stammen aus den Druckfarben für die Kartons. Mehr dazu …

Fakt Nr. 2
Zurzeit gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte – nur Empfehlungen

Zwar wird in Deutschland seit mehreren Jahren an einer „Mineralöl-Verordnung“ gearbeitet, allerdings herrscht, auch bedingt durch die Bundestagswahl 2017, momentan politischer Stillstand. Ehemalige Standards der Weltgesundheitsorganisation wurden 2012 aufgrund mangelnder Daten aufgehoben. Seit dem gilt nur eine überaus technisch gehaltene Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung, welche aber zum Schluss kommt, dass Mineralölverunreinigungen zu minimieren sind. Mehr dazu …

Fakt Nr. 3
Erst 2019 kann es eine bindende europäische Regelung zur Mineralölproblematik geben

Momentan werden europaweit Kontrollen durchgeführt und Daten zu Mineralölen in Lebensmitteln und deren Verpackungsmaterialien gesammelt.  Die Ergebnisse werden bis Ende Februar 2019 zusammengetragen. Erst dann kann eine bindende Regelung auf EU-Basis erarbeitet werden. Mehr dazu …

Fakt Nr. 4
Bis zu 13 Gramm Mineralöl reichert ein Mensch in seinem Körper im Laufe des Lebens an

Ende 2016 veröffentlichte die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA dieses Ergebnis, welches selbst die Erwartungen der Behörde überstieg. Dabei kommen die angelagerten Mineralöle zum Großteil über die Verpackung in die Lebensmittel und somit in den menschlichen Organismus. Aber auch eine gewisse Grundbelastung der Umwelt, Mineralölbestandteile in Kosmetikprodukten oder Schmier- und Hydrauliköle bei Ernte- oder Produktionsmaschinen tragen ihren Teil dazu bei. Mehr dazu …

Fakt Nr. 5
Täglich nimmt jeder Menschen zwischen 0,03 und 0,3 mg MOSH je Kilogramm Körpergewicht auf

Schätzungen der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zu folge werden über die Nahrung täglich zwischen 0,03 und 0,3 mg MOSH je Kilogramm Körpergewicht aufgenommen. Bei Kindern kann die Aufnahme auch höher sein. Die Aufnahmemenge an MOAH liegt nach Schätzungen zwischen 0,006 und 0,06 mg je Kilogramm Körpergewicht. Für ein 10 kg schweres Kind bedeutet dies eine tägliche Aufnahme von bis zu 3 mg MOSH und 0,6 mg MOAH. Mehr dazu …

Fakt Nr. 6
Über Folgen von Mineralölbelastungen für Menschen kann zurzeit nur spekuliert werden

Noch liegen nicht genug Studien zu den Folgen von Mineralölbelastungen vor. Wie sich die einzelnen Fraktionen auswirken, darüber gibt es in der Wissenschaft nach wie vor Uneinigkeit.  Allerdings ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) der Auffassung, dass der Übergang von Mineralölen auf Lebensmittel dringend minimiert werden sollte. Für die besonders gefährlichen, potentiell krebserregenden und erbgutverändernden aromatischen Mineralöle (MOAH) heißt es sogar, dass kein nachweisbarer Übergang auf Lebensmittel stattfinden sollte. Mehr dazu …

Fakt Nr. 7
Mineralöle in Verpackungen/Lebensmittel sind schwer nachweisbar

Bei Mineralölen handelt es sich nicht um chemisch klar definierte Substanzen, sondern um eine höchst komplexe Zusammensetzung verschiedenster Kohlenwasserstoffe. Das macht die Bestimmung, Analyse und toxikologische Bewertung des jeweiligen Materials sehr kompliziert. Mehr dazu …

Fakt Nr. 8
Verpackungshersteller müssen mit Mineralöl belastete Produkte/Lebensmittel nicht zwingend zurück rufen

Nach dem Produktsicherheitsgesetzt (ProdSG) müssen „Produkte […] so gestaltet sein, dass sie die Gesundheit und Sicherheit der Nutzer nicht gefährden“. Ein Rückruf muss nur vorgenommen werden, wenn für die Konsumenten Gefahr für Leib und Leben besteht. Da bisher keine gesetzlichen Höchstwerte existieren und kaum Daten zu den Schäden durch Mineralöle bestehen, sind Verpackungshersteller bisher nicht zu einem Rückruf verpflichtet. Häufig ist es aber so, dass betroffene Firmen bei dem Bekannt werden von belasteten Lebensmitteln ihre Produkte freiwillig aus dem Sortiment nehmen. (https://anwaltauskunft.de/magazin/leben/freizeit-alltag/1261/rueckrufaktion-rechte-der-verbraucher-pflichten-der-unternehmen/)

Fakt Nr. 9
Es ist möglich, potentiell belastete Verpackungen zu vermeiden

In Verpackungen aus Frischfaserkarton finden sich produktionsbedingt kaum Mineralölbelastungen, da diese „frisch“ hergestellt anstatt recycelt sind. Problematisch dabei ist, dass das Angebot an Frischfaserkarton deutlich geringer ist als der generelle Bedarf. Recyclingkarton übernimmt hier aber eine sehr wichtige Funktion. Und der Anteil an Mineralölen in Recyclingpapieren für die Verwendung von Lebensmittelverpackungen konnte in den letzten zwei Jahren grundsätzlich sehr deutlich gesenkt werden. Des Weiteren wird darauf geachtet, dass die Lebensmittel durch eine funktionale Barriere in der Innenseite der Kartonverpackungen geschützt werden oder selbst nochmal in einem Innenbeutel mit Barriere verpackt sind.

Fakt Nr. 10
Nicht nur Lebensmittel können mit Mineralölen belastet sein

Rückstände von Mineralöl in Brotaufstrichen, Schokolade oder Getreidebrei sind keine Seltenheit. Aber auch andere Produkte können die ungesunden Rückstände enthalten. So zum Beispiel Kosmetikprodukte wie Cremes, Lippenstifte, Babypflegeprodukte oder Körperöle. 2015 untersuchte Stiftung Warentest 25 exemplarisch ausgewählte Produkte, die alle auf Mineralöl basieren und den potentiell krebserregenden aromatischen Kohlenwasserstoff MOAH beinhalten. Die Produkte wurde also nicht durch Verpackungen oder die Umwelt belastet, sondern enthalten per Rezeptur Mineralölbestandteile als Inhaltsstoff. Diese Inhaltsstoffe haben für die Hersteller viele Vorteile: Sie machen haltbar und sind preisgünstig, können in gleichbleibender Qualität produziert werden und verursachen keine Allergien. Wie viele und welche Mineralölbestandteile durch die Haut dringen können ist allerdings noch nicht erforscht und lässt sich nicht eindeutig sagen. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf zertifizierte Naturkosmetik, die keine Mineralölbestandteile enthalten.

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